The CLASP – die Competition League for Amateur Solo Pipers – ist eine schottische Liga, in der sich Dudelsackspieler aus der ganzen Welt über mehrere Veranstaltungen im Jahr miteinander messen können. Nachdem ich die Liga schon länger im Auge hatte, war ich im April 2018 für meine erste Teilnahme in Glasgow und berichte in diesem Post gerne über meine dortige Erfahrung.

Warum überhaupt Competitions?

Für 2018 hatte ich mir einige Ziele gesteckt, die meiner musikalischen Weiterentwicklung dienen sollen. Eines davon ist, mich  mit Dudelsackspieler(innen) auf schottischem Grund und Boden zu messen. Sich auf Wettbewerbe vorzubereiten fordert mich noch einmal ganz anders als die Vorbereitung auf Auftritte. Andere Stücke bzw. Musikarten müssen einstudiert werden und ich gehe sehr selbstkritisch noch einmal an alle Aspekte des Spielens, insbesondere Spieltechnik, Betonung und Instrumentenklang, was natürlich auch wieder positive Auswirkung auf Auftritte hat 🙂 Die Wettbewerbsliga „The CLASP“ des National Piping Centres bietet dabei einen schöne Einstiegsmöglichkeit. Da messen sich Musiker miteinander, die leider nicht den Luxus genießen ihr ganzes Lebens rund um das Dudelsackspielen zu gestalten, oder schon im Kindergarten Unterricht von den besten Lehrern genossen haben.

 

National Piping Centre Glasgow

National Piping Centre Glasgow

Das Vorspiel vor dem Vorspielen

Vom Flughafen Köln-Bonn aus ging es über Edinburgh nach Glasgow. In Glasgow angekommen, machte ich mich am Freitag vor der Competition auf den Weg zum National Piping Centre (NPC). Das NPC ist erstklassig ausgestattet. Neben dem Herzstück, einem großen Veranstaltungssaal, zwei Räumen für ca. 30 Leute in Konzertbestuhlung und diversen Übungszellen, verfügt das NPC auch über einen Shop, ein Museum, ein Restaurant und ein kleines Hotel. Am Freitag hatte ich aber nur zwei Frage: Wie läuft der nächste Tag genau ab und wo kann ich meine Pipe noch einmal einspielen? Letzteres war gar kein Problem –  es waren noch genug Übungsräume frei. Die waren zwar an dem Tag auf gefühlte 40°C geheizt, aber wie alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer feststellen sollten, war das eine gute Vorbereitung auf die Betriebstemperatur am nächsten Tag 🙂 Nach einigen Wiederholungen der Stücke kam dann schnell die Erkenntnis:

Pipe läuft und besser wirst du heute nicht mehr. Aufhören! Denn man kann sich vor so einem Wettbewerb auch bekloppt machen.

Macaroni Cheese and Chips im University Café Glasgow

Macaroni Cheese and Chips im University Café Glasgow

Also begab ich mich mit meinem Schwiegervater, der als seelische und organisatorische Unterstützung mitgereist war, ins Nachtleben von Glasgow. Denn meiner Meinung nach ist man noch nicht in Glasgow angekommen, wenn man nicht Macaroni Cheese and Chips im University Cafe hatte und im Òran Mór oder Potstill einen Whisky getrunken hat.

 

So lief meine erste Teilnahme bei „The CLASP“

Ich war mit zwei anderen Pipern zusammen mit der Öffnung der Türen am NPC, da ich laut Zeitplan schon um 9:40 dran war. Nach einem kurzen Gespräch mit einem der Organisatoren und ein paar anderen Pipern machte ich mich auf den Weg in die Übungsraum und legte damit los, die Pipe einzustimmen. Das klappte auch alles soweit ganz gut, bis es dann an die Tür klopfte. Kurzes Herzrasen, dann aber auch viele freundliche Gesichter auf dem Weg zum Vorspielraum. Der war bis auf die Preisrichterin Sarah Muir, meinen Schwiegervater und einen weiteren Zuhörer leer. Kurze Begrüßung, Titel der Stücke angeben und los geht es. Ich stimmte die Pipe noch einmal leicht nach und spielte dann alle meine Stücke. War ich direkt danach zufrieden? Eigentlich ja, auch wenn ich mich über ein paar Schwächen durch Nervosität geärgert habe. Man kann 40 Auftritte im Jahr ohne große Probleme spielen, aber dann vor einer der besten Spielerinnen Schottlands zu spielen, um bewertet zu werden, ist schon noch eine andere Hausnummer.

 

Mein Lehrer übergab mir den Preis: Finlay Johnstone

Mein Lehrer übergab mir den Preis: Finlay Johnstone

Nach meinem Spielen war Entspannung und Lernen angesagt. Entspannung, weil ich nichts mehr spielen musste und die Nervosität schlagartig weg war. Lernen, da es einfach toll ist, sich mit den anderen Pipern auszutauschen und insbesondere den höheren Graden bei ihrem Vorspielen zuzuhören. Bis zum Grad 2 passierte das vornehmlich vor der Tür. Im Grad 1 bewegte sich dann auch die Masse langsam in die Räume. Als alle durch waren, war das große Abwarten angesagt. Irgendwann kam Finlay Johnstone rein. Bei Finlay hatte ich schon mehrere Unterrichtstunden via Skype, getroffen haben wir uns aber noch nie. Begonnen wurde mit dem Grad 3 und ich glaube, es war das zweite verlesene Ergebnis, bei dem Finlay ins Stocken kam. Denn der Name ist für eine schottische Zunge doch zu unüblich: „Björn Frauendienst, 3rd place 2/4 March“. Man war ich glücklich. Mein Schwiegervater vermutlich auch, da das Foto leider etwas verwackelt ist. Ich möchte es euch aber dennoch nicht vorenthalten. Hinterher durfte ich noch erfahren, dass ich nach Punkten 4. von 8 Teilnehmer in meinem Grad war.

 

„The CLASP“ – mein persönliches Fazit

Björn Frauendienst vor dem National Piping Centre Glasgow

Björn Frauendienst vor dem National Piping Centre Glasgow

Es hat sich gelohnt und ich werde wieder dabei sein. So einfach fällt mein Fazit aus. Die CLASPies, wie sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Liga selbst nennen, sind eine unglaublich nette Truppe. Jeder unterstützt jeden, gönnt dem Anderen den Erfolg und baut einen auch wieder auf, falls es mal nicht so gut läuft. Zwar liegen sehr viele Events der Liga im Sommer – und im Sommer meide ich Schottland meist – aber für die tolle Erfahrung und den Spaß werde ich sicherlich noch einmal eine CLASP-Competition ansteuern.

 

Meine Teilnahme hat es übrigens auch in die Zeitung geschafft. Den Artikel findet ihr hier.

Wer einen Eindruck von meinem Vorspielen haben möchte, kann sich  einen Zusammenschnitt aller Stücke auf YouTube anschauen.

Diesen Beitrag mit interessierten Personen teilen

Björn Frauendienst ist ein Dudelsackspieler und Schottlandliebhaber aus dem Ruhrgebiet. Er macht das ganze Jahr über Musik auf Hochzeiten, Geburtstagen und anderen Veranstaltungen. Möglichst mehrfach im Jahr zieht es ihn nach Schottland, ob für Urlaub, Dudelsackunterricht, Wettbewerbe oder auf Exkursionen als Lehrbeauftragter für Stadt- und Verkehrsplanung.